Kaufkraft der Rentner stark gesunken
Deutsche Rentner haben unter Berücksichtigung der Inflation immer weniger Geld in der Tasche. Dieser Trend hält seit vielen Jahren an. Im Jahr 2011 vernichtete die Inflation genau berechnet so viel Kaufkraft der Rentner, als hätten sie 1,8 % weniger Rente erhalten. In Wahrheit liegen die Einbußen jedoch wesentlich höher.
Reale Kaufkraft der Rentner
Das Hamburger Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) berechnete die genauen Zahlen für die mehr als 20 Millionen Rentner der Republik und legte sie Anfang 2012 vor. Die BILD kommentierte diese Zahlen am Montag, dem 9. Januar. Was beide Beteiligten eher beschönigen: Die Wahrheit ist etwas schlimmer als "nur" 1,8 % weniger Rente durch die Inflation. Denn das ist die statistische Warenkorb-Größe - das HWWI kann jedoch keine anderen Zahlen vorlegen, wenn es exakt bleiben will.
Das HWWI warnte durchaus glaubwürdig, dass die Rente seit 2004 real - auf die Kaufkraft der Rentner bezogen - um 8,8 % gesunken sei. Zwar gab es am 1. Juli 2011 eine Minianhebung um 0,99 %. Das Statistische Bundesamt errechnete gleichzeitig eine Inflation von 2,3 %. Dies macht summa summarum für die Rente des Gesamtjahres ein Minus von 1,8 %.
Doch der Warenkorb, welcher für die Gesamtinflationsrate zugrunde gelegt wird, beinhaltet auch Unterhaltungselektronik, Urlaubsreisen, Nachrichtenübermittlung, Lifestyle-Produkte und diverse Sport- und Freizeitvergnügen - und zwar etwa zur Hälfte. Die andere Hälfte sind die lebensnotwendigen Dinge wie Wohnen und Heizen (30,8 %), Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke (10,8 %), Bekleidung und Schuhe (4,9 %), Einrichtungsgegenstände (5,6 %), Dienstleistungen, auch Versicherungsverträge (7,4 %) sowie Gesundheit und Pflege (4,0 %). Dies macht zusammen 63,5 %, auf die kein Rentner verzichten kann – auf Unterhaltungselektronik und Lifestyle-Produkte hingegen schon. Die Teuerung trifft die meisten Senioren also mehr als doppelt so hart wie durch das HWWI statistisch korrekt berechnet.
Mehrere „Nullrunden“ für die Rentner
Sogenannte Nullrunden, d.h. Jahre, in denen keine Rentenerhöhung stattgefunden hat, gab es 2004, 2005, 2006 und 2010. In den übrigen Jahren konnten höchstens bescheidene Anhebungen verzeichnet werden. Aus der Summe der Inflation abzüglich der Anhebungen errechnen Statistiker eine reale Rentenkürzung von 8,8 %, mit der die Rentner nicht ganz allein stehen. Auch Arbeitnehmer büßten ein: Hier ergeben sich nach derselben Berechnungsmethode 4 %.
Doch junge Arbeitnehmer kaufen sich gern einen neuen Computer oder Fernseher. Hier profitieren jene am deutlichsten von Preissenkungen. Das bedeutet für die Rentner: Real hat das älteste Viertel der Bevölkerung mit einem Kaufkraftverlust durch Preissteigerungen minus Rentenanhebungen von etwa 12 % seit 2004 zu kämpfen, wenn man die nicht lebensnotwendigen Sachen aus dem Warenkorb herausrechnet.
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